Interview Sabine Poschmann

12. April 2012 – Ruhr-Nachrichten

DAS INTERVIEW

Ein Arbeiterkind mit roter Wiege: Mutter und Vater in der SPD, auf einem Parteitag neben Herbert Wehner gesessen - mehr SPD-Stallgeruch geht nicht. Sabine Poschmann zeigt ihr 1985 erstmals in die Hand genommenes Parteibuch. RN-Foto Bandermann

Mit der SPD gewachsen
Sabine Poschmann will für den Bundestag kandidieren

Vater und Mutter in der SPD. Als Kind auf einem Parteitag neben Urgestein Herbert Weh­ner gesessen. Mit 16 selbst in die Partei eingetreten – mehr SPD-Stallgeruch geht nicht. Redakteur Peter Bandermann stattete Sabine Poschmann in Solde einen Hausbesuch ab und sprach mit der 43-jährigen Bundestags-Aspirantin über Politik und Privates.

Frau Poschmann, bis zur Bundestagswahl 2013 ist es noch weit hin. Aber weil Ihre Partei, die SPD, Ende Mai da­rüber entscheidet, ob Sie auf einem roten Ticket für den Deutschen Bundestag kandi­dieren, wollen wir wissen: Wieso Poschmann – und kein anderer?

Weil man es mir zutraut. Ich bin von einigen Leuten aus dem SPD-Unterbezirk ge­fragt worden, ob ich als Nach­folgerin von Ulla Burchardt kandidieren würde. Das kam etwas überraschend, weil ich mich 2009 aus familiären Gründen erst einmal aus der Politik zurückgezogen und nicht wieder für den Rat kan­didiert hatte. Aber als Stadt­bezirksvorsitzende war ich in der Partei weiter aktiv.

Wer oder was hat Sie über­haupt in die Politik hinein­gezogen?

Ich bin ein in Castrop-Rauxel geborenes Arbeiterkind. Mein Vater war früher Berg­mann und dann
später haupt­beruflich für die SPD im Ein­satz. Er hat mich immer mitgenommen: Auf die Parteita­ge oder zu Seminaren, wenn er Vorträge gehalten hat. Mei­ne Mutter war für die SPD im Rat. Die Politik war also bei mir Zuhause am Tisch ein all­gegenwärtiges Thema, etwas Selbstverständliches. Erst ha­ben wir morgens die Zeitung gelesen. Dann diskutiert. Als Kind habe ich auf einem Par­teitag neben Herbert Wehner gesessen. Die SPD gehörte schon früh zur Familie.

Sollte die SPD Sie nominie­ren und sollten Sie in den Bundestag einziehen: Be­fürchten Sie, dann unter der Berliner Käseglocke zu ver­schwinden und die Basis zu verlassen?

Nein! In der ersten Zeit muss ich mich sicher zurecht­finden, aber darin bin ich schnell. In den Gremien und Ausschüssen des Bundestags will ich Themen finden, mit denen ich etwas für Dort­mund tun kann und deshalb auch vor Ort sein muss.
Welche Themen sind das?

Arbeit, Familie und Soziales. Ich bin aber neu im Bun­destag und werde bei der Auswahl der Ausschüsse se­hen müssen, wo ich meine Stärken und Interessen ein­bringen kann.

Ein Bundestagsmandat gibt es nicht als Teilzeitjob. Wie schaffen Sie den Spagat zwi­schen Berlin und Familie? Es gibt da ja noch Ihren sechs­jährigen Sohn Tom.

Es ist interessant, wie viele Menschen mir genau diese Frage stellen – und ich beant­worte sie gerne. Ich schaffe das so, wie meine Eltern es mit mir geschafft haben: Ich nehme Tom einfach mit. Die Dortmunder SPD kennt ihn, weil er mit Malstiften an Vor­standssitzungen und an vie­len anderen Terminen teilge­nommen hat.

Ein starker Familienver­bund, bestehend aus Ehe­mann, zwei Omas, einem Opa und einer Uroma, hilft mir, politisch arbeiten zu können. Sogar die Nachbarn machen sich Gedanken, wie sie uns unterstützen können. Das Le­ben ist jetzt schon nicht an-
ders. Tom kennt eine poli­tisch engagierte Mutter mit vielen Abendterminen.

Das Bild von Politikern lei­det unter diversen Affären der jüngsten Zeit. Was mei­nen Sie: Wie denken die Wählerinnen und Wähler über Politiker?

Sie differenzieren und wis­sen, dass nicht immer alle gleich sind. Politiker sind kei­ne besseren Menschen. Es gibt immer welche, die dane­ben treten. Bei meiner Arbeit vor Ort führe ich immer Ge­spräche auch mit denen, die völlig unpolitisch sind. Das ist wichtig.
Zurzeit ist nicht absehbar, dass SPD-intern ein weiterer Kandidat für den Wahlkreis Aplerbeck, Horde, Brackel, Scharnhorst, Nordstadt und Eving antritt, so dass die Poschmann-Kandidatur relativ sicher ist.

Was passiert, wenn doch noch jemand sei­nen Hut in den Ring wirft?

Ich bin jetzt schon für Ge­spräche in den Ortsvereinen unterwegs. Bei einer weiteren Kandidatur müssen sich beide Kandidaten in den Parteibe­zirken vorstellen. Dann kommt es zu einer internen Briefwahl. Egal, wer diese Wahl gewinnt: Jetzt steht erst einmal die Landtagswahl im Vordergrund. Nach der Som­merpause bereiten wir uns auf den Wahlkampf für die Bundestagswahl im Septem­ber 2013 vor. Peter.Bandermann ©ruhrnachrichten.de

Zur Person

Sabine Poschmann ist verheiratet, hat einen Sohn und wohnt mit der Familie in Solde. Sie besuchte die Albrecht-Dürer-Realschule in Aplerbeck, absolvierte eine Ausbildung zur Industriekauffrau und studierte später Betriebswirtschaft an der Verwaltungs- und Wirt­schaftsakademie in Dortmund. Stationen der politischen Arbeit: Als 16-Jährige 1985 in die SPD eingetreten, Vorstandsarbeit im Orts­verein Aplerbeck, Vorsitzende der SPD-Betriebsgruppe bei DEW21, Vorsitzende des SPD-Stadtbezirks Aplerbeck. Im Rat der Stadt von 1999 bis 2009. www.spd-aplerbeck.de